Innovationspartnerschaft - Chance für Beschaffer und Lieferanten

Wäre die Innovationspartnerschaft eine Person, dann hätte Sie in sozialen Medien zahlreiche „Retweets“ und „Follower“. Rund 100 davon drängten sich am späten Montagnachmittag des 9. Oktober 2017 auf Einladung der Österreichischen Gesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (GSV) in Kooperation mit der IÖB-Servicestelle in den vollen Saal 2 der Wirtschaftskammer Österreich.

09.10.2017

Montag, 9. Oktober 2017, 15:30 – 18:00 Uhr

Wirtschaftskammer Österreich,
Saal 2, Wiedner Hauptstraße 63, 1040 Wien

Veranstaltungstyp:
GSV-Forum
Methoden:
Keynotes, Erfahrungsaustausch, Diskussionen
Zielgruppe:
Interessierte Beschafferinnen und Beschaffer sowie Unternehmen
Leiter der Veranstaltung:
GSV, IÖB-Kompetenzstelle für Mobilität, in Kooperation mit der IÖB-Servicestelle

Erfüllen sich die Erwartungen der anwesenden Unternehmen, Beschaffungsverantwortlichen und Experten, dann schließt die Innovationspartnerschaft eine derzeit bestehende Lücke. Das Pre-Commercial Procurement (PCP) endet nach der beauftragten Entwicklungs- und Forschungsleistung. Für das eigentliche Ziel, die Beschaffung, braucht es im Anschluss ein gesondertes Verfahren.

Das soll mit der Innovationspartnerschaft besser werden: Öffentliche Institutionen stoßen eine Innovation an, begleiten die Entwicklung und erwerben das Produkt; Unternehmen schaffen neue Produkte, tun dies dank der kooperativen Vorgehensweise exakt den Bedarfen entsprechend und können mit einer Abnahme durch den öffentlichen Kunden planen. Die Innovationspartnerschaft regelt all dies in einem Vertrag. Der Wettbewerb vor der Vertragserstellung entscheidet über die Entwicklung und die Beschaffung. Das sorgt für klarere Perspektiven der ausgewählten Partner. Fragen geistigen Eigentums müssen zwar weiterhin vereinbart werden, dank der frühzeitig fixierten Lieferkonditionen verlieren sie aber an Brisanz. Ein Aspekt, der Unternehmen oft zögern ließ sich an PCP zu beteiligen, fällt damit weg.

Noch hängt die Innovationspartnerschaft in Österreich in der Warteschleife, da der Beschluss des Nationalrats noch aussteht. Die zugrundeliegenden EU-Richtlinien und eine Regierungsvorlage zur Anpassung des Vergabegesetzes erlauben aber einen Blick in die nahe Zukunft. Der Top-Experte des BKA, Michael Fruhmann, sieht das Instrument als Ergänzung zu bestehenden Verfahren, die den Einkauf von Innovation unterstützen: „Für bestimmte Situationen ist die Innovationspartnerschaft gut geeignet.“ Das sieht auch die IÖB-Servicestelle so. Unser Angebot an die Beschafferinnen und Beschaffer sowie Strateginnen und Strategen in öffentlichen Institutionen: Wenden Sie sich mit Ihren Ideen, Problemen und Visionen an uns – wir finden gemeinsam heraus, welcher Weg Sie zur richtigen Innovation führt! Unser Unterstützungsangebot

Die Verzögerungen in Österreich haben einen kleinen Vorteil: Wir profitieren von den Erfahrungen jener Länder, die das Instrument bereits anwenden. Esther van Engelshoven vom Nahverkehrsverbund Schleswig-Holstein berichtete den Teilnehmerinnen und Teilnehmern über die Bemühungen ihres Landes, eine umweltfreundliche Alternative zu Dieselzügen auf nicht elektrifizierten Strecken zu finden. Eine solche gibt es derzeit am Markt noch nicht (hier nachzulesen). Auch in den Niederlanden gibt es erste Anwendungen der Innovationspartnerschaft. Michael van Scheijndel, Niederländisches Ministerium für Infrastruktur und Umwelt, teilte die Erfahrungen des Projekts „Talking Traffic Partnership“. Neben intensiver Verhandlung ist das Verfahren bis dato von der offenen Kooperation der mehr als zehn Partner geprägt. Bis Ende 2020 wird mit drei technischen Clustern ein Verkehrs-Ökosystem im Bereich des vernetzten und kooperativen Fahrens geschaffen.  Ampeln sollen intelligent werden, aktuelle Verkehrsinformation ins Auto geliefert und damit der Verkehrsfluss verbessert werden. Um Projekte wie diese in Österreich anzustoßen, arbeitet die Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) an passenden Förderinstrumenten. Dadurch sollen etwa auch die Risiken für Unternehmen und öffentliche Institutionen gemindert werden.

Die gemeinsam mit dem Publikum diskutierten Herausforderungen beziehen sich v.a. auf die Gestaltung der Verträge. Feingefühl erfordern die frühzeitig zu definierenden Kriterien und preislichen Obergrenzen für Produkte und Dienstleistungen, die es so bei Vertragsabschluss noch nicht gibt und geben darf. Denn nur für jene Fälle ist die Innovationspartnerschaft zu wählen, in denen der Markt noch keine entsprechende Lösung anbieten kann. Andreas Nemec, Geschäftsführer der Bundesbeschaffung GmbH (BBG), betont: „Die Innovationspartnerschaft wird in erster Linie für Innovationen geeignet sein, die z.B. bestehende Technologien auf neuartige Weise kombinieren und in einem neuen Kontext anwenden. Dadurch können Ergebnisse abgeschätzt und Verträge gestaltet werden. Das Projekt des Nahverkehrsverbunds Schleswig-Holstein geht in diese Richtung.“

BBG, ASFINAG und ÖBB  als auch das in den Niederlanden bereits an der Innovationspartnerschaft beteiligte Unternehmen SWARCO jedenfalls begrüßten das neue Instrument in ihren Statements ausdrücklich und sind schon darauf vorbereitet. Auf die Suche nach potentiellen Projekten begeben sich die Institutionen des öffentlichen Sektors u.a. mit Hilfe der IÖB-Beratungsworkshops der IÖB-Servicestelle. Andrea Schneider, ASFINAG, sieht die Beschafferinnen und Beschaffer sowie die Zuständigen für Innovation in der Verantwortung: „Nutzen wird die Chancen, die uns der Gesetzgeber gibt!“

Sie haben die Veranstaltung verpasst? Das IÖB-Seminar Innovationspartnerschaft in Kooperation mit der Verwaltungsakademie des Bundes (VAB) am 16. November ist die nächste Gelegenheit, um in das Thema einzusteigen: https://www.oeffentlicherdienst.gv.at/vab_dokumente/2017/PF_020.pdf  

Weiterführende Links

Eine Initiative von Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft
Mit Unterstützung von Bundesbeschaffung GmbH