Anders innovativ – Salzburg geht neue Wege

„Hat der Staat etwas mit Innovation zu tun?“ Diese Eingangsfrage stellte Innovationsexpertin Gertraud Leimüller, Gründerin von winnovation consulting aus Wien, zum Auftakt der Veranstaltung "Anders Innovativ" am 30.1.2018 in der TriBühne Lehen.

Nach der Eröffnungsrede von Herrn LH-Stv. Dr. Stöckl wurden die Besucherinnen und Besucher durch Frau Leimüllers Key-Note Rede inspiriert, das gängige Bild des Staates im Zusammenhang mit Innovation zu überdenken. Denn Frau Leimüller ist überzeugt: Der Staat spielt bei Innovation eine ganz wesentliche Rolle und könnte noch aktiver werden. Am Beispiel eines Zukunftsszenarios im Bereich Mobilität zeigte sie, was der Staat bereits leistet und leisten könnte: Von den Mitteln für die Forschung, über das Freigeben einzelner Straßenabschnitte für Testzwecke, bis zu neuen Regeln für Verkehrssicherheit oder Aktivitäten hinsichtlich Datensicherheit.

Der Einkauf der öffentlichen Hand macht in Österreich 18 Prozent des BIP und damit mehr als 60 Milliarden Euro aus. Eine große Spielwiese also für die Öffnung durch Innovation. Dafür bräuchte es laut Frau Leimüller eine innovationsfreundliche Regulierung sowie übergeordnete Missionen. Wichtig für die Umsetzung wäre auch die Mitgestaltungsmöglichkeit von innovativ denkenden Mitarbeitern.

IÖB Best Practices vor dem Vorhang

Erfolgreich umgesetzte Beispiele für innovationsfördernde öffentliche Beschaffungen gibt es bereits: Um die Besucher des Schloßes Schönbrunn sicher und in geeignet kleinen Gruppen durch die Räumlichkeiten zu lenken, suchte das Schloß neue Lösungen und ging dafür einen etwas anderen Weg. Auf der Plattform www.innovationspartnerschaft.at nutzte man die Möglichkeit, eine Challenge für das Besuchermanagament auszuschreiben und ging so aktiv auf den Markt zu. Unternehmen konnten hier ihre Vorschläge einreichen. Am Ende eines Innovationsdialoges, zu dem die Gewinner der Challenge geladen wurden, fand man eine Lösung, die sich mittels Erfassungs-, Auswertungs- und Simulationstechniken als passend und vor allem kostengünstiger, als im Vorfeld angenommen, herausstellte.

Auch Salzburg kann mit einigen Beispielen aufwarten: In Mittersill wurde eine Hubbrücke gebaut, die sich bei Hochwasser einfach anheben lässt. Die Vorbereitung einer solchen Ausschreibung ist das Um und Auf, denn „etwas Vergleichbares gab es in Österreich nicht“, sagte David Werner vom Brückenbaureferat des Landes Salzburg. Für die Sporthalle in Liefering suchte die Stadt ein ausgeklügeltes Schließsystem, damit die Halle für alle zugänglich, aber trotzdem sicher betrieben werden kann. Hier hat man auf die tatkräftige Unterstützung der Bundesbeschaffung GmbH (BBG) zurückgegriffen. In den Salzburger Landeskliniken verfügt man bereits über ein ausgeklügeltes Logistiksystem, das mittels Endgeräten jedem Mitarbeiter der Logistik mitteilt, wann Medikamente, Essen oder Patienten wo sein müssen. Auch im mobilen Bereich experimentiert man: Die Patiententransportwägen haben komplett absenkbare Flächen, damit auch der Aufwand für die Mitarbeiter gering bleibt – sie können Patienten ganz einfach ebenerdig hineinschieben. Da bei Elektrofahrzeugen der Platz für die Patienten noch mit der Batterie besetzt ist, sucht man in einem aktuellen Projekt nach Lösungen. Chancen für Auftraggeber und -nehmer Hannes Pöcklhofer, Leiter der IÖB Kontaktstelle der Bundesländer, bestätigte, dass durch die innovative Vergabe nicht unbedingt Mehrkosten entstehen, im Gegenteil: „Bei einem Projekt, das sich um enzymbasierte Abluftreinigung drehte, konnte man, durch neue Wege, 50 Prozent Kosteneinsparungen erreichen. Innovation muss also nicht teuer sein.

Innovative Startups stellen sich vor - in zwei Minuten

“Innovative Unternehmen jeder Größe profitieren von neuen Wegen in der Beschaffung. Neben dem großen Auftragsvolumen, das sie zu vergeben haben, sind Einrichtungen der öffentlichen Hand auch gern gesehene Referenzkunden. Die Chance eines zwei-minütigen Pitches haben auch mehrere Startups bei der Veranstaltung zum Anlass genommen, sich den Entscheidern im Publikum vorzustellen. Mit dabei waren EasyVegan, die allergenfreie Fertigprodukte herstellen, die nachhaltige, praktische und geruchsfreie Entsorgung von Essensresten von BioTrans oder das barrierefreie Notrufsystem von View Elevator, das für Lifte gedacht war und mittlerweile auch in öffentlichen WCs eingesetzt wird. Das Unternehmen Naporo hat sich mit seinem Produkt der nachhaltigen Gebäudedämmung aus Hanf gemeinsam mit BioTrans den Sieg des Publikumsvotings zum „Unternehmen des Tages“ gesichert. Ausgestellt hat auch das Unternehmen Planradar, eine Software für Baudokumentation, Task- und Mängelmanagement.

Panel Diskussion zum Thema IÖB

Bei der Panel Diskussion betonte Herr Mag. Zotter, Geschäftsführer der Bundesbeschaffung GmbH, die Wichtigkeit der richtigen Partner für Innovationsprojekte, sowie die Schaffung einer Fehlerkultur. Damit Innovation leichter gelingt, sollte allerdings – dabei waren sich alle Redner einig – das Vergabeprozedere speziell für junge Unternehmen einfacher werden.

Die IÖB-Servicestelle steht öffentlichen Auftraggebern sowie innovativen Unternehmen als Brückenbauer zur Seite. Neben der Möglichkeit Challenges auszurufen, bietet die IÖB-Onlineplattform www.innovationspartnerschaft.at auch den „Marktplatz Innovation“. Hier wird Unternehmen mit innovativen Ideen ein Schaufenster in Blickrichtung zu öffentlichen Beschafferinnen und Beschaffern geboten. Eine Jury überprüft, ob die eingereichten Lösungen für die öffentliche Verwaltung geeignet sind. Für Fragen hierzu steht die IÖB-Servicestelle zur Verfügung.

Die IÖB-Servicestelle und die IÖB-Onlineplattform sind wichtige Eckpfeiler der IÖB-Initiative, welche vom Bundesministerium für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort (BMDW) und vom Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (bmvit) finanziert wird.

Kontakt

Serviceline: +43 1 245 70 817
Mo-Do: 09.00 – 15.30 Uhr
Freitag: 09.00 – 13.30 Uhr

E-Mail: ioeb@---nospam---ioeb.at

IÖB-Servicestelle in der BBG
Lassallestraße 9B
1020 Wien

Eine Initiative von Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft
Mit Unterstützung von Bundesbeschaffung GmbH