Vakuumiieren, einsparen, upcyceln, abbauen: Die neuesten Ideen bei Inkontinenz

Welche Neuentwicklungen gibt es am Markt zur Versorgung von Menschen, die von Inkontinenz betroffen sind? Das fragte sich das Land Niederösterreich und trat mit dem Anliegen, diese ausfindig zu machen auf die IÖB-Servicestelle zu. Schnell wurde klar, dass auch andere Betreiberinnen und Betreiber von Pflegeeinrichtungen mit ähnlichen Herausforderungen konfrontiert sind.

Durch Inkontinenzartikel fällt sehr viel Abfall an, der negative Auswirkungen auf die Umwelt hat. Auch für die Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeeinrichtungen kann die Situation belastend sein. Gleichzeitig entstehen hohe Kosten und die zeitlichen Ressourcen der Pflegekräfte werden belastet. Diese sollen stattdessen für die persönliche Betreuung der Patientinnen und Patienten zur Verfügung stehen.

Deshalb rief das Land Niederösterreich gemeinsam mit dem Wiener Krankenanstaltenverbund, der Bundesbeschaffung GmbH und in Partnerschaft mit den SZL Seniorenzentren Linz eine IÖB-Challenge zum ressourcenschonenden Einsatz von Inkontinenzartikeln aus. Ziel war es, neue Lösungen zu finden, die sich schonend auf die Umwelt, die Pflege, die Patientinnen und Patienten sowie auf das Budget auswirken. Dreizehn Lösungen wurden bei der Challenge eingereicht und fünf unterschiedliche Lösungen wurden zu einem Innovationsdialog eingeladen.

Großes Potenzial wurde der Lösung Sensortextil von texible GmbH zugesprochen. Dabei handelt es sich um eine dünne Baumwolltextilie, die mit Sensoren ausgestattet wird. Diese schlagen Alarm, wenn sich Feuchtigkeit auf der Unterlage ausbreitet, die Pflegekräfte können per App verständigt werden. Hilfreich ist dies bei der Einstellung der Patientinnen und Patienten zur Versorgung mit Inkontinenzprodukten und auch bei schweren Inkontinenzfällen. Einen Mehrwert bietet dabei die demnächst verfügbare Funktion, dass auch ein Alarm abgegeben werden kann, wenn sturzgefährdete oder demente Personen ohne Unterstützung der Pflegekräfte das Bett verlassen. Herausforderungen bestehen bei den Materialien, denn diese sind noch nicht kreislauffähig. Das Volumen ist zwar geringer als bei anderen Betteinlagen, die Produkte werden derzeit jedoch am Ende ihrer Lebensdauer verbrannt. Verwertbare Bestandteile von Schlacken können der Metallindustrie zugeführt werden.

Viele, vor allem hygienische Herausforderungen, könnte der Sluicemaster von der Firma BKI-Remus Handels GmbH lösen. Bettpfannen und Nierentassen werden durch Produkte aus einem Papier ähnlich dem Klopapier ausgetauscht. Diese können die Flüssigkeit vier Stunden sicher halten, ohne dass Feuchtigkeit durch das Material des Produktes dringt. Die Papierprodukte werden im Anschluss im Sluicemaster zerkleinert und anschließend in die Kläranlage eingeleitet.

Verbesserungen bei der Sammlung von Inkontinenzartikeln bietet VacuraPro. Dabei handelt es sich um eine Maschine zur Vakuumierung von Inkontinenzprodukten und anderen Abfallprodukten, die keine scharfen Kanten haben. Die Maschine arbeitet mit Unterdruck bei Zimmerlautstärke. So kann das Volumen des Abfalls um bis zu 70% reduziert werden, was die Lagerfähigkeit erhöht. Zusätzlich könnte sich die Anzahl an Containern reduzieren, die von der Müllabfuhr geleert werden müssen. Die Reduktion des Volumens erfolgt dabei hygienischer als mit Hilfe vieler anderer verfügbarer Lösungen. Eingereicht wurde die Lösung von der Öko & More GmbH.

Neben diesen, bereits am Markt bestehenden Produkten, wurden zwei weitere noch nicht verfügbare Vorgehensweisen mit der Jury diskutiert. Fater SpA präsentierte seine sich bereits im Einsatz befindliche Technologie zum Upcycling von saugenden Inkontinenzprodukten. Dabei entstehen wertvolle Sekundärrohstoffe, die einer neuen Verwendung zugeführt werden können. Die Sicherheit der Sekundärrohstoffe wurde bereits von unabhängigen Zertifizierungsstellen bestätigt. Sie können beispielsweise zu Ummantelungen von Kabeln, Papierprodukten oder Baumaterialien verarbeitet werden.

R&D Consulting erarbeitete hingegen einen Ansatz zum Thema Management und Lösungen zu biologischen abbaubaren Hygieneprodukten. Inkontinenzprodukte sollen dabei wieder dem biologischen Kreislauf zugeführt werden. Das Unternehmen arbeitet derzeit an einem Prototyp.

Die Sponsorinnen und Sponsoren der Challenge waren beeindruckt von der Vielfalt der unterschiedlichen Lösungsvorschläge. Derzeit werden die Einsatzfähigkeit unterschiedlicher Lösungen geprüft und weitere Dialoge mit den Lösungsanbieterinnen und –anbietern geführt.

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