Was ist IÖB?

Grundlegend für das Verständnis von IÖB, innovationsfördernder öffentlicher Beschaffung, ist die Definition des Begriffes "Beschaffung":

Als Beschaffungen gelten lt. BVergG (§ 4-8) alle entgeltlichen Bauaufträge, Lieferaufträge (Kauf, Leasing, Miete, Pacht, Ratenkauf von Waren inkl. Nebenarbeiten wie Installation) und Dienstleistungsaufträge (Instandhaltung, Datenverarbeitung, F&E, Abfallbeseitigung, Rechtsberatung, Schutzdienste etc.); inklusive Baukonzessions- und Dienstleistungskonzessionsverträge.
Gehälter und Förderungen sind keine Beschaffung.

Die Definition innovationsfördernder öffentlicher Beschaffung basiert auf der Definition von „Innovation“ der OECD (im „Oslo Manual“):  

"Eine Innovation ist die Einführung eines neuen oder signifikant verbesserten Produktes, einer Dienstleistung, eines Prozesses, einer neuen Marketingmethode oder eine neuen Organisationsmethode in der Unternehmenspraxis, der Arbeitsorganisation oder externen Beziehungen."

Genau hier kommt das Thema der Innovationsnachfrage ins Spiel, welche durch Bedarfe öffentlicher Auftraggeber entsteht. Durch die Beschaffung neuartiger Produkte sowie durch innovative Beschaffungsprozesse sollen

  • Innovationen stimuliert werden
  • mehr Bürgerorientierung der öffentlichen Hand geschaffen werden, z.B mittels e-Government
  • eine effizientere und effektivere Verwaltung gestaltet werden, z.B durch e-procurement
  • längerfristig Kosten und Umweltbelastungen reduziert werden, z.B. durch LED-Beleuchtung oder alternativ betriebene Fahrzeuge
  • die öffentliche Hand als intelligenter Kunde als Referenzmarkt etabliert werden
  • eine insgesamt bessere Verwaltungsleistung erreicht werden, z.B. durch die Einführung der e-Rechnung

Die innovationsfördernde öffentliche Beschaffung kann auf vier unterschiedlichen Ebenen stattfinden:

Durch die Ebenen 1 - 3 will die öffentliche Hand Innovationen beschleunigen und Folgeinnovationen ermöglichen, um eine effizientere öffentliche Verwaltung und bessere Dienstleistungen für die Bürger zu forcieren (Innovation im öffentlichen Bereich selbst). Außerdem soll es dadurch zu einer stärkeren Marktdurchdringung von innovativen Produkten und Dienstleistungen (=Diffusion) kommen. Darauf aufbauend, und unter Bezugnahme auf die „wirkungsorientierte Steuerung“, wird bei innovationsfördernder öffentlicher Beschaffung der Einsatz von neuen Herangehensweisen im Beschaffungsprozess und/oder die Beschaffung von neuen, besseren und effizienteren bzw. effektiveren Lösungen („Innovationen“) im Verhältnis zu den bisher eingesetzten Lösungen verstanden.

Ebene 1: Neue Entwicklungen

Auf der ersten Ebene der innovationsfördernden öffentlichen Beschaffung werden Lösungen  beschafft, welche zum Zeitpunkt des Einkaufs soeben auf den Markt gelangt oder marktnahe sind (z.B. Prototyp) bzw. noch nicht auf dem Markt verfügbar sind, aber innerhalb eines angemessenen Zeitraumes entwickelt werden können. Dies umfasst F&E-Dienstleistungen sowie Güter und Dienstleistungen, die speziell für die Anforderungen einer Organisation entwickelt werden. Es handelt sich dabei um vorkommerzielle Beschaffungen.
Beispiele hierfür sind Spezialfahrzeuge, Software, lT-Dienstleistungen, Instrumente, Geräte, Möbel usw., die eigens für Ihre Organisation entwickelt wurden.

Ebene 2: Erstkauf

Auf der zweiten Ebene kommt die Rolle der öffentlichen Hand als Referenzmarkt zum Tragen. Dabei fungiert der öffentliche Einkauf als Erstabnehmer und ist somit nicht nur Vorreiter, sondern nimmt auch für die Unternehmen die wichtige Rolle einer ersten Referenz ein.
Neuartige schallabsorbierende Büromöbel, neuartige lnformationsleitsysteme für Gebäude, neuartige Assistenzsysteme für ältere Menschen oder neuartige Medientechnikausstattung für Schulen/Universitäten/Büros können in solch einem Fall Beispiele sein.

Ebene 3: Diffusion

Auf Ebene 3 leistet der öffentliche Einkauf einen wesentlichen Beitrag zu einer stärkeren Marktdurchdringung von innovativen Produkten und Dienstleistungen. Diese neuen, validierten Technologien befinden sich bereits am Markt, haben aber noch keine relevante Masse an Abnehmern. Als Beispiele hierfür sind LED-Leuchten anstelle herkömmlicher Leuchten, Elektrofahrzeuge oder Erdgasfahrzeuge anstelle von Benzin-/Dieselfahrzeugen, Smartphones anstelle von Festnetztelefonen oder integrierte Kundenkartenabrechnungssysteme anstatt Einzelkundenkarten zu nennen.

Ebene 4: Einsatz von neuen Herangehensweisen

Ebene 4 befasst sich mit dem Einsatz von neuen Herangehensweisen in Beschaffungsvorgängen. Als Beispiele können der Einsatz von neuen bzw. neueren Verfahrensarten wie das Dynamische Beschaffungssystem (DBS), der wettbewerbliche Dialog, und zukünftig auch beispielsweise die Innovationspartnerschaft aber auch durchgehende e-Vergabeprozesse angeführt werden. Zu den klassischen Prozessinnovationen zählen hier elektronische Lösungen wie z.B. e-Shop und e-Reisen der BBG; e-tendering und e-Rechnung.

Kontakt

Serviceline: +43 1 245 70 817
(Montag bis Freitag von 9:00 – 15:30)

E-Mail: ioeb@---nospam---ioeb.at

IÖB-Servicestelle in der BBG
Lassallestraße 9B
1020 Wien

Eine Initiative von Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft
Mit Unterstützung von Bundesbeschaffung GmbH